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Warum regeln wir die Lautsprecher mit
Sensoren?
Wenn man mit unseren Lautsprechern Musik
hört, dann fragt man sich, warum das so
disruptiv anders klingt als üblicher
Lautsprecherklang.
Der
Grund ist einfach: Wir kümmern uns erst einmal
um die wichtigen Fragen.
Vorbemerkung
Lautsprecher sollen Klänge nicht produzieren,
sondern reproduzieren. Im Gegensatz zu
Musikinstrumenten sollen sie also weder
schwingen noch klingen. (Damit entfallen etwa
zwei Drittel der Gesprächsthemen über
Boxenbau.)
Was zählt, ist der Klang und weniger die
Technik mit der dieser erreicht wurde. Wenn
aber grundlegender Fortschritt ins Spiel
kommt, dann kann dessen Verständnis helfen,
subjektive Eindrücke einzuordnen und zu
erkennen, wo eine überholte Technik dagegen
nur noch versucht, ihre Grenzen
(klanggestalterisch und wortreich) zu
verschleiern.
Lautsprecher sollen
das Musiksignal einfach nur abbilden, ohne
etwas hinzuzufügen, wegzulassen oder zu
verändern.

Sie
sollen nicht "schwingen",
sondern
der Schalldruckkurve folgen, die das
Musiksignal vorgibt.
Zum
Beispiel innerhalb einer Millisekunde (!)
fehlerfrei einer solchen Bahn, und das bei
Beschleunigungen bis 100 g (!):

(Beispiel
aus einem realen Musikstück.)
Man kann sich leicht
vorstellen, dass so etwas mit einfacher
Mechanik nicht
gehen kann. Dann beeinflussen natürlich
Trägheit, elastische Rückstellkräfte und
Dämpfung die Bewegung. Technisch heißen
diese Abweichungen "lineare" Fehler, und
sind leicht zu messen als Frequenz- und
Phasenverläufe. (Lineare Fehler sind auch
mit Filterung zu verbessern, mit
Regelung aber völlig zu beseitigen.)
Ein Musiksignal
(Luftdruckänderungen, Membranbewegung) hat
übrigens keine Frequenz und keine Phase. Es
ist einfach eine Kurve, die vom Lautsprecher
fehlerfrei nachgefahren werden soll.
(Anmerkung zu
"Frequenzen", "Magnituden", "Phasen")
Das Grundproblem jenseits von Frequenz und
Phase.
Das
Prinzip des dynamischen Lautsprechers ist 150
Jahre alt und hat erstaunlich gute
Voraussetzungen für linearen Frequenz- und
Phasenverlauf. Es hat allerdings ein
grundsätzliches Problem, das sich mit Sensoren
und Regelung aber überwinden lässt.

Der
Lautsprecher ist eine Spule in einem Magneten.
Sobald Strom durch die Spule fließt, bewegt
sich diese und über die Membran wird dann die
Luft bewegt. Die Bewegung der Spule soll dabei
exakt dem Strom entsprechen.
In
der Praxis stimmt das schon deshalb nicht,
weil Spule und Membran nicht frei in der Luft
schweben, sondern über Gummisicke und
Gewebezentrierung elastisch eingespannt sind.
Weil aber auch Spule und Magnet nicht
unendlich groß sind, haben auch diese nur
einen begrenzten Arbeitsbereich.
Viele
Fehler, die als Zahlenwerte oder in Diagrammen
angegeben werden können, haben ihre Ursache in
diesem begrenzten Arbeitsbereich, wie man in
einfachen Versuchen zeigen kann:
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Erster
Versuch.

Wir
messen mit einem handelsüblichen
Laser-Abstandsmesser die Auslenkung der
Membran und gleichzeitig den Strom, der bei
dieser Auslenkung durch die Spule fließt.
(Testobjekt war ein bekannter 18 cm
"Langhub"-Tieftöner.)
Den
Strom und die zugehörige Auslenkung schreiben
wir dann als Kurve auf einen Bildschirm:

Senkrecht:
Strom
durch die Spule in Ampere, waagrecht:
Zugehörige Auslenkung der Membran in
Millimeter.
Die
eingezeichnete blaue Linie wäre die korrekte
Bewegung, also der eigentlich notwendige
proportionale Zusammenhang zwischen Strom und
Auslenkung.
Die
grüne Kurve ist die gemessene tatsächliche
Auslenkung. Diese weicht schon ab etwa 1 mm
Hub deutlich von der Solllinie ab und ist ab
etwa 3 mm völlig daneben.
Dazu
kommt noch eine Hystereseschleife. Sie
bedeutet, dass die Membran auf dem Weg nach
vorne einer anderen Kurve folgt als auf dem
Rückweg. (Grund ist, dass Gummisicke und
Zentrierung keine ideale Feder sind, sondern
bei einer Dehnung auch plastisch verformt
werden.) |
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Zweiter
Versuch.
Klingt
das
Wort "Kennlinie" zu abstrakt? Man kann genau
das gleiche Ergebnis auch so zeigen, dass
dieser Begriff nicht gebraucht wird:
Über einen Verstärker geben wir einen Sinuston
von 30 Hertz auf das Chassis und schauen
wieder mit dem Laser-Distanzmessgerät, wie
sich die Membran tatsächlich bewegt.

Obere Kurve: Der eingespeiste Strom ist eine
saubere Sinuskurve.
Untere Kurve: Was der ungeregelte Lautsprecher
daraus macht, hat allenfalls noch Ähnlichkeit
damit. (Man
kann sogar abschätzen, was da passiert
ist : Die Antriebskraft der Spule lässt
schon bei dieser geringen Auslenkung so stark
nach, dass die "Spitzen" des Sinus sichtbar
abgeflacht werden (s.
"Kennlinie"). Wie
ein gestauchter Sinus klingt? "Warm,
körperhaft, kaftvoll. kernig"? Oder einfach
nur "falsch"? |
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Dritter
Versuch.
Wir spielen einen höheren und einen tieferen
Ton gleichzeitig, also das, was bei Musik
ständig der Fall ist.

Die beiden Schwingungen addieren sich zu einer
Summenkurve.

Wenn
diese Addition nun im Lautsprecher ausgeführt
wird, dann ergibt sich als Summe folgendes
Bild:

Die vom Verstärker eingespeisten Ströme sind
noch völlig korrekt (oben), nur die Summe in
der mechanischen Bewegung ist falsch (unten).
Schon beim einfachen Anschauen erkennt man,
dass die Amplitude des höheren Tons mit der
Auslenkung des tieferen schwankt. Auch ist die
Amplitude des tiefen Tons wieder oben und
unten abgeflacht. |
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Fazit.
- Die
Bewegung einer Lautsprechermembran soll
dem Strom folgen, der vom Verstärker
kommt. Das tut sie aber nur sehr
unvollkommen.
- Die
Abweichung ist so stark, dass man sie
nicht einmal messen oder hören muss,
sondern schon an der Bewegungskurve
optisch erkennt.
- Wenn
mehrere Töne gleichzeitig spielen, dann
verkoppeln sich zudem noch deren
Bewegungen so, dass verschiedene Klänge
voneinander abhängig werden.
Wie klingt das?
Solche
Verformungen
einer Sinuskurve ändern die Klangfarben der
Instrumente, werden gelegentlich aber als
"warm" oder "kraftvoll" empfunden und können
von Konstrukteuren gezielt dafür eingesetzt
werden.
Die
Verkopplung verschiedener Töne ist der
ständige Begleiter, der ungeregelte Systeme
nach "Lautsprecher" klingen lässt. Denn
natürliche Klänge sind nun einmal völlig
unabhängig voneinander, während die Mechanik
eines Lautsprechers ohne Sensorführung alles
in einen Topf ("in ein Magnetsystem") wirft. |
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Versuch
2,
jetzt aber mit Regelung.
Das Bild ist wieder die Membranbewegung aus
dem zweiten Versuch: Der Verstärker liefert
einen
sauberen Sinus und das Chassis deformiert
diesen zu irgend einer wellenähnlichen
Bewegung:

Der gleiche Versuchsaufbau, jedoch mit unserer
Bewegungsregelung zeigt anschaulich das
Prinzip von Regelung:

Jetzt
hat der Strom eine seltsame Kurvenform,
während die Bewegung korrekt ist.
Der
Strom untersteht jetzt nämlich dem Kommando
des Sensors und hat nur noch die Korrekturen
zu liefern, um die Membran auf der richtigen
Bahn zu führen.
(Einzelne Korrekturen kann man sogar an der
Stromkurve erkennen: An den Spitzen gibt der
Sensor "mehr Gas", um das dort schwächer
werdende Magnetfeld auszugleichen und
insgesamt ist die Stromkurve auf der x-Achse
leicht verschoben, um die Phasenverschiebungen
aus Trägheit und Rückstellkräften der Mechanik
zu korrigieren. |
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Wir
verlassen jetzt den Zeitbereich.
Bis
jetzt haben wir Bewegungskurven gezeigt, also
wie sich die Membran bewegt,
also in Diagrammen, in denen die Zeit die
x-Achse ist.
Das ist aufschlussreich, um Ursachen und
Zusammenhänge zu erkennen und bei
Lautsprechern oft schon hinreichend, weil hier
die Fehler so groß sind, dass man sie an den
Kurven unmittelbar sehen kann.
Um Wellen und Schwingungen aber analysieren
und in Zahlen und Diagrammen schreiben zu
können, muss man sie mit mathematischen
Verfahren erst einmal in den "Frequenzbereich"
bringen. (Das ist der Bereich, in dem die
bekannten Diagramme von Frequenz-
Phasenverläufen und Klirrspektren dargestellt
werden und in dem die Frequenz die x-Achse
ist.)
Beim Tieftonkanal der FM5 sieht dann die
übliche Darstellung von Schalldruckverlauf
(obere Kurve und Klirren (untere Kurven, k2
und k3 getrennt) so aus:

(Unüblich
sind
jedoch der Pegelverlauf ab 10 Hz
sowie Klirrabstände um 50 dB
(entsprechend 0,3%). Bei unseren Sensoren mit
Linearität unter 0,1% und Verstärkung 100 im
Regelkreis ist das aber genau so zu erwarten.)
Wenn
wir die sensorgeregelten Tieftöner einer FM3
mit 30 Hz, 80 Hz und 110 Hz gleichzeitig
ansteuern und das Messmikrofon auf einen
Spektrumanalysator geben, dann sehen wir diese
drei Frequenzen und sonst nichts:

Wenn
wir jetzt die Sensoren abschalten, dann läuft
die FM3 wie eine ganz normale Aktivbox ohne
Regelung und wir sehen auf einmal einen ganzen
"Wald" von artefakten Nebentönen. "What you
see is what you hear" und es wundert nicht,
dass das nach "Lautsprecher" klingt.

Solche
Oberwellen
im
Prozentbereich mögen manche Hörer für
akzeptabel halten, sie verändern ja "nur" die
Klangfarben der Instrumente und
vielleicht klingt das Cello dann viel schöner,
als das, was der Instrumentenbauer wollte.
Das
Problem ist nur, dass das Oberwellenspektrum
ganz extrem vom momentanen Pegel der Musik
abhängt und dass sich die Klangfarben der
Instrumente während des Spielens (also
ständig) ändern, ist keine schöne Vorstellung.
Auch nicht, dass sich die Farben der Geigen
ändern, wenn eine Orgel einsetzt. |
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Einfach besser.
Regelung linearisiert den Antrieb und
verbessert dramatisch Klirren und
Intermodulation. Sie ist aber viel größer:
Sie
fragt nämlich nicht nach einzelnen Fehlern,
sondern misst einfach alles und korrigiert,
was falsch ist. Das kann sehr viel sein, wenn
man etwas genauer hinschaut. Zum Beispiel
magnetische Verzerrungen (da ist viel Eisen in
der Spule), Wirbelströme (gibt es da nicht
Leute, die nichtleitende Spulenträger
bevorzugen?), der "Knackfroscheffekt" in der
Zentrierung. Oder
die "HiFi-Variante" von Thermo-Dynamik: Der
Strom hängt von der Temperatur der
Schwingspule ab und kann so um rund 20%
variieren. Die Pegel von Tief- Mitten- und
Hochtönern schwanken also ständig und in
unterschiedlichem Takt. Dass die Magnete in
Lauf von Jahren immer schwächer werden, ist
dann kaum mehr der Rede wert.
Das mögen jeweils für sich genommen Effekte
sein, die einfach unter "hört man nicht"
abgelegt werden, obwohl sie eigentlich
in die Schublade "kann man ungeregelt
leider nichts machen" gehörten.
Die
hörbare Souveränität unserer Technologie kommt
auch daher, dass wir breitbandig das gesamte
Fehlerspektrum erfassen, statt kleinkariert
einzelne Effekte zu kompensieren oder zu
filtern.
"Negative
Rückkopplung"
(Regelung) ist so umfassend, dass sie in der
ganzen Welt die Ordnung vom
Chaos trennt, Planeten auf ihren Bahnen
hält, Maschinen funktionieren lässt
und HiFi schöner macht. |
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Übrigens
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Unsere Entwicklungsarbeit hat bei Boxenbauern
durchaus Spuren hinterlassen. Die Abtastung
durch mitbewegte Mikrofonkapseln verbessert
inzwischen auch bei anderen Herstellern die
Basswiedergabe und die senkrecht stehende
Flachspule in einer bestimmten Anordnung galt
schon verschiedenen Herstellern als Vorbild.
Lob der Trägheit.
Wir haben in den letzten Jahren die Sensorik
wesentlich weiterentwickelt und erreichen
inzwischen eine neue Klasse an Messgenauigkeit
(besser als 0,1% (!)) nach dem Prinzip der
Trägheitsnavigation. Zusammen mit der
Dopplerkompensation war dies der Grund für die
noch einmal eklatante Steigerung der
Klangqualität.
Anders als Auslenkung oder Geschwindigkeit
kann nämlich die Beschleunigung absolut im
Raum bestimmt werden, ist also nicht abhängig
von irgend einem festen Bezugspunkt, der stets
den Arbeitsbereich einschränkt.
Dass unsere Wiedergabe "frei im Raum
schwebend" klingt, liegt also auch daran, dass
wir die Bewegung frei im Raum messen können.
Die technische Realisierung ist allerdings
anspruchsvoll. So muss z.B. vor dem Start für
jedes Chassis die Nulllage kalibriert und
dieser Wert während des "Fluges" überwacht
werden. (Für diese Aufgabe gibt es bei uns auf
jeder Endstufe einen eigenen Rechner.)
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